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Sonntag, 16. Juni 2019

Diskussion über die hl. Messe bei Ecclesia Dei

Dieser fiktive Text stammt von Pater Jacques Mérel (FSSPX) und wurde im Juli/August 2008 im Mitteilungsblatt des Priorates Saint-Jean-Eudes (Frankreich) veröffentlicht.

Ein Priester führt vor der Kirche eine Diskussion mit Philip, einem 17jährigen Gemeindemitglied. 

Während der Unterhaltung erzählt Philip vom vergangenen Wochenende, das er mit seinen Freunden in Paris verbrachte und währenddessen sich die Gruppe sich dazu entschied, zur heiligen Messe bei einer Ecclesia Dei-Gemeinschaft zu gehen.

Philip: Was machen Sie für ein Gesicht, Pater? Immerhin ist es die richtige Messe!
Pater: Zweifellos ist die Messe gut, aber das ist nicht die Hauptsache.
Philip: Nicht die Hauptsache? Was brauchen Sie denn noch, Pater?
Pater: Nun, lass‘ mich einen Vergleich ziehen. Whisky ist eine gute Sache, nicht wahr? [Philip stimmt zu und lächelt] Richtig. Aber nicht jedes Mal, wenn man Whisky trinkt, vollziehst man zwangsläufig eine gute Handlung. [Philip versteht] Ähnlich
verhält es sich mit der heiligen Messe. Es ist eine Sache, dass die heilige Messe in sich gut ist. Aber es ist auch notwendig, dass es eine gute Sache ist, an ihr teilzunehmen. Die Teilnahme an einer heiligen Messe muss eine gute Handlung sein.
Philip: Okay, aber Whisky und die heilige Messe sind schließlich nicht das Gleiche! Sie scheinen zu sagen, dass es falsch sein kann, an einer traditionellen heiligen Messe teilzunehmen!
Pater: Aber genau das meinte ich! Ebenso wie man schlechten Gebrauch von Whisky machen kann, ist es nicht zwangsläufig gut, an einer wahren heiligen Messe teilzunehmen. Es kann sogar etwas Schlechtes sein.
Philip: Das übertrifft alles, was ich bisher gehört habe!
Pater: Philip, ich kann dein Erstaunen verstehen. Normalerweise sollte ein Katholik nicht erst über die Teilnahme an einer katholischen Messe nachdenken müssen.
Aber zurzeit gibt es in der Kirche eine Menge ungewöhnlicher Dinge. Beispielsweise lesen wir Messen in Sälen, die wir – so gut wir können – in notdürftige Kapellen verwandeln. Der lokale Klerus ist uns feindlich gesinnt. Man nennt uns „Aussätzige“, „exkommuniziert“ oder „schismatisch.“ Viele Menschen kommen nicht zu uns, weil sie glauben, es wäre falsch, dies zu tun. Und dennoch ist es die richtige Messe! Ihr
Fehler ist es zu glauben, es sei falsch, hierher zu kommen.
Philip: Ja, genau. Sie machen einen Fehler, da es doch die richtige Messe ist!
Pater: Nein, Philip, sei vorsichtig. Ihr Problem ist nicht die Messe. Dass ihnen gesagt wurde, es wäre falsch, sie zu besuchen, das ist ihr Problem. Das ist etwas völlig anderes. Nun, das Problem mit den Ecclesia Dei-Gemeinschaften ist von der gleichen Sorte: Deren Messe ist gut, okay – aber ist es gut, sie zu besuchen? Das ist ein anderes Paar Schuhe! Siehst du den Unterschied?
Philip: Ja, ich sehe den Unterschied. Aber ich verstehe nicht, warum es falsch ist, zur Priesterbruderschaft St. Petrus oder zum Institut Christus König und Hoherpriester zu
gehen!
Pater: Schau – wenn man beginnt, sich zu fragen, ob es richtig oder falsch ist, an dieser oder jener Messe teilzunehmen, ist man sofort dabei, über den Priester zu
sprechen, der die Messe liest. Das ist interessant, oder?
Philip: Ich verstehe nicht ganz, wovon Sie sprechen...
Pater: Also, jemand sagt, wie du eben: „Ich gehe zur richtigen Messe sei es bei der Priesterbruderschaft St. Petrus, beim Institut Christus König und Hoherpriester, bei der Priesterbruderschaft St. Pius X. – es ist immer die gleiche Messe.“ Aber das ist es nicht! Es ist nicht das Gleiche, an der einen oder anderen Messe teilzunehmen. Alles hängt vom Priester ab, der die Messe liest.
Philip: Warum?
Pater: Weil die heilige Messe und Whisky nicht das Gleiche sind! Vorhin hättest du zu mir sagen können: „Aber ich bin vorsichtig, wenn ich Whisky trinke. Ich habe kein Probleme, weil ich ihn in Maßen trinke.“ Die heilige Messe ist aber nicht etwas, dass man alleine in einer Ecke auf ganz private Art und Weise konsumiert.
Philip: Was ist es denn dann? Ich persönlich gehe zur heiligen Messe, um mich zu besinnen, um zu beten und um zur heiligen Kommunion zu gehen. Ist doch egal, ob der Priester zur Petrusbruderschaft oder zur Piusbruderschaft gehört. Im Grunde ist das etwas, das man für sich selbst zu entscheiden hat!
Pater: Die heilige Messe ist die höchste Form der öffentlichen Anbetung in der katholischen Kirche. In anderen Worten, es ist in erster Linie ein sozialer Akt, bei dem wir Gott ehren und seine Gnaden erhalten – unter der Autorität der Kirche, also
der Gemeinschaft, die Gott eingesetzt hat, um so verehrt zu werden, wie Er es wünscht.
Philip: Das ist etwas schroff, Pater...
Pater: Lass‘ es mich anders versuchen. Im Privaten kannst du recht frei zu Gott beten, wann du magst, wie du magst, in gewisser Weise ist es dein Gebet. Aber unser Herr möchte auch und in besonderer Weise geehrt werden, indem die
Menschen sich um das Kreuz versammeln, in der Messe - das ist das öffentliche und offizielle Gebet der Kirche. So erweist sie Gott im Namen aller Menschen alle Ehre und Glorie, die Ihm gebührt. Die Messe ist demzufolge keine private Andacht derer, die an ihr teilnehmen oder des Priesters, der sie zelebriert. Die Messe ist ein gemeinschaftlicher Akt der Anbetung, der voraussetzt, dass derjenige, der die
Anbetung ausführt (der Priester), von der Kirche die Autorität dazu erhalten hat. Er ist abhängig von einem Bischof, der wiederum vom Papst abhängig ist. Darum habe ich über die Autorität der Kirche gesprochen.
Philip: Aber, Pater, Sie sind unabhängig von dieser Autorität.
Pater: Siehst Du, Philip, jetzt sind wir bei dem Kern des Problems angelangt. Du sagst das Gleiche wie die Anhänger des Zweiten Vatikanischen Konzils, wenn sie behaupten, dass es nicht erlaubt sei, an unseren Messen teilzunehmen. Noch einmal, sie sagen das nicht, weil die Messe, die wir zelebrieren, schlecht ist. Sie sagen dies, weil wir der Hierarchie widerstehen, weil wir Rom widerstehen. Und wir
wiederum sagen: Du darfst nicht an einer Ecclesia Dei-Messe teilnehmen, weil sie sich der Hierarchie der Konzilskirche unterwerfen.
Philip: Wenn ich das richtig verstehe, dann ist der Kern des Problems die Unterwerfung unter die derzeitige Hierarchie?
Pater: Genau! Normalerweise ist in der Kirche ein Priester Untergebener des Bischofs, der wiederum Untergebener des Papstes ist. Somit erhält er den Auftrag, die Messe zu zelebrieren und einen Teil der Gläubigen der Kirche die Sakramente zu spenden. Tatsache ist jedoch, dass Gläubige seit mittlerweile ungefähr 50 Jahren, um den Glauben zu bewahren, diejenigen Priester, die ihn ebenfalls bewahren
möchten, bitten, sich um sie zu kümmern – bis hin zum Widerstand gegen Bischöfe und den Papst. Ihr Ziel war es nicht, Widerstand um des Widerstandes willen zu leisten, sondern um ihren Glauben zu verteidigen – angesichts der Entscheidungen Roms, die erst zum Verlust des Glaubens unter den Gläubigen beitrugen.
Philip: Welche Entscheidungen?
Pater: Nun, zum Beispiel, die Promulgation der „Neuen Messe“ von Paul VI. 1969. Aber dieser Entscheidung ging bereits das Zweite Vatikanische Konzil mit einigen schlechten Abhandlungen zu den Themen Ökumenismus und Religionsfreiheit voraus. Später folgten Änderungen an anderen Sakramenten, dann das neue Kirchenrecht von 1983. Oder denk‘ an die vielen Skandale um den Ökumenismus, wie beispielsweise das Religionstreffen von Assisi 1986. Und dann der heftige Kampf gegen Erzbischof Marcel Lefebvre, der, wie er oft selbst sagte, nur das tat, was er sein ganzes Leben lang mit der Zustimmung Roms getan hatte. 1988 konsekrierte Erzbischof Lefebvre vier Bischöfe, weil er verstanden hatte, dass Rom die Tradition zerstören wollte. Aber der Glaube der Gläubigen war weiterhin bedroht. Der zentrale Punkt, den man verstehen muss, ist der, dass die Hierarchie, also die Bischöfe und der Papst, dazu da sind, Priester und Gläubige im Glauben zu führen. Tun sie das
nicht, müssen die Priester und die Gläubigen Widerstand leisten und versuchen, den Glauben zu bewahren, was letzten Endes doch die höhere Form der Unterwerfung ist.
Philip: In Ordnung...aber, was hat das alles mit den Ecclesia Dei-Messen zu tun? Werde ich da meinen Glauben verlieren?
Pater: Du musst das Problem vom anderen Ende aus betrachten...
Philip (unterbricht den Priester): Vom anderen Ende?
Pater: Ja, vom anderen Ende. Die Frage nach dem Wissen, ob man seinen Glauben verlieren wird, ist in der Tat wichtig. Aber wir müssen uns auch fragen: Wie sieht die korrekte Einstellung eines Rechtgläubigen gegenüber den Ecclesia Dei-Messen aus? Verbirgt sich in deiner Frage an mich nicht die folgende Einstellung: „Wenn ich vorsichtig bin und weil es die richtige Messe ist, wird es schon kein Problem sein - genauso wie beim Whiskytrinken.“ Liege ich falsch?
Philip: Nein, Pater, ich stimme zu!
Pater: Deshalb müssen wir auf das andere Ende schauen, das das ich vorhin erklärt habe. Die heilige Messe ist vor allem anderen ein öffentlicher und hierarchischer Akt. Die Messe eines Ecclesia Dei-Priester ist die Messe eines Priesters, der - zumindest offiziell - dem lokalen Bischof und dem Papst gehorcht; ein Priester, der demnach von Zeit zu Zeit seinen Bischof zu Zeremonien empfängt; ein Priester, der nicht predigt, dass die neue Messe schlecht und gefährlich für den Glauben ist; ein Priester, der um sich herum entsprechend Gläubige versammelt, die schwächer im Glauben und weniger informiert sind über die ernsten Gefahren, die das katholische Leben in der Konzilskirche bedrohen; ein Priester, der, wenn er konsequent ist, denkt, dass die Situation in der Kirche heute grundsätzlich normal ist – zumindest normal genug, um einen öffentlichen Widerstand als illegitim abzutun; ein Priester, der durch seinen Gehorsam gegenüber liberalen und modernistischen Autoritäten zwangsläufig abfallen wird; letztlich ein Priester, der alles verrät, was Erzbischof Lefebvre getan hat, der Seelen verrät und sie täuscht, indem er sie durch seine öffentliche Unterwerfung unter die Hierarchie glauben macht, dass der Papst wahrhaft seine Schafe und Lämmer auf dem Weg des wahren Glaubens führt...
Philip: Jetzt gehen Sie aber etwas zu weit, Pater!
Pater: Erzbischof Lefebvre hat seinerzeit genauso gesprochen! Ein Ecclesia-Dei-Priester hat im Augenblick keine legitime Stellung in der Kirche. Er befindet sich nicht in Übereinstimmung mit unserem Herrn. Er befindet sich nicht in der Wahrheit. Er sitzt zwischen den Stühlen, hin- und hergerissen zwischen seinem Wunsch, Gutes zu tun, und seiner Unterwerfung unter die Autorität der Konzilskirche. Seine Predigten sind zwangsläufig davon betroffen, ebenso der Schriftenstand und die Zeitschriften, die es dort zu kaufen gibt. Sicher gibt es dort auch Mitteilungsblätter der Diözese. Und es besteht die große Gefahr, dass er mit der Zeit durch den Kontakt mit den im Glauben schlechter unterrichteten Gläubigen lau wird. Ebenso wie die Gefahr besteht, dass er sich entweder von einer milderen Lehre oder, und das kann durchaus der Fall sein, von der Zuneigung der Menschen oder anderer Priester anziehen lässt.
Philip: Also sollte man nie zu einer Ecclesia Dei-Messe gehen?
Pater: Man soll niemals Gott beleidigen! Diese Messen sind nicht für uns! Wenn man in Ausnahmesituationen bei einer Ecclesia Dei-Zeremonie präsent sein muss, sollte man eine diskrete Haltung einnehmen und den Eindruck vermeiden, man würde ihrer Unterwerfung unter die Bischöfe und den Papst anhängen – zum Beispiel, indem man sich dem Empfang der heiligen Kommunion enthält. Du musst immer auch daran denken, welches Beispiel du anderen um dich herum gibst.
Philip: Was ist, wenn es die einzige Messe ist, an der man sonntags teilnehmen kann?
Pater: Wenn du unsere Unterhaltung verstanden hast, wirst du selbst schlussfolgern können, dass man auch an einem Sonntag nicht verpflichtet ist, zu solchen Messen zu gehen. Man kann nicht dazu verpflichtet werden, an der Messe
eines Priesters teilzunehmen, der öffentlich nicht bekennt, dass die Konzilskirche den Glauben der Gläubigen gefährdet. Es ist nicht möglich, unter diesen Bedingungen verpflichtet zu werden. Der Herr wird dir Gnaden auf anderem Wege zuteilwerden lassen und sei es nur, um deinen mutigen Glauben und deine Verbundenheit zur Wahrheit zu belohnen.
Philip: Zur Wahrheit?
Pater: Ja, zur Wahrheit. Lass uns mal alles zusammenfassen. Am Anfang sagte ich: Die Ecclesia Dei-Messe ist gut, aber das steht nicht infrage. Die Frage ist: Ist es wirklich gut, daran teilzunehmen? Verbinde ich mich durch diese Messe wirklich und wahrhaftig mit der Kirche und unserem Herrn? Die Antwort lautet: nein, da der Ecclesia Dei-Priester sich nicht in der Wahrheit befindet, er leistet den schlechten Hirten keinen Widerstand, obwohl er das tun müsste. Er täuscht sich selbst und er täuscht die Menschen. Wie könnte man erwarten, durch ihn, unter seinem Einfluss, unter seiner priesterlichen Autorität, zu einer wirklichen Liebe zur Wahrheit, zu unserem Herrn, zur Kirche und auch zum Papst zu gelangen? Der Priester befindet sich in einer essentiellen Sache im Irrtum!
Philip: Das geht zweifellos viel weiter als ich dachte!
Pater: Ja, ich muss aber auch sagen, es ist nicht unbedingt offensichtlich. Heute müssen wir uns mehr denn je weiterbilden, um zu wissen, was wir tun. Die Gefahr lauert überall. Aber es ist auch eine außergewöhnliche Zeit, wie Erzbischof Lefebvre zu sagen pflegte, denn sie verlangt von uns, die Kirche und unseren Herrn Jesus Christus noch wahrhafter zu lieben und stark im Glauben zu bleiben! Und es ist auch die beste Form der Nächstenliebe, die wir denen entgegenbringen können, die sich weiterhin schwer tun, all die Schwierigkeiten der aktuellen Situation zu begreifen. Lass‘ uns also Zeugen der Wahrheit und des Willen Gottes sein!

Quelle in Englisch http://www.dominicansavrille.us/discussion-on-the-steps-of-the-church-concerning-ecclesia-dei-masses/

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